Die Alpenüberquerung: Salzburg-Davos-Nizza war die erwartete harte zweite Tour der „FÜNF TOUREN“. Am 27.08.2014 gings gemeinsam mit der Crew nach Salzburg zum Olympiatützpunkt Rif.
Tags darauf am 28.08.2014 um 09.00 Uhr gings dann gemeinsam mit Geri Bauer und Walter Pfaller vom Olympiastützpunkt Rif los.
Alles lief perfekt, Bad Reichenhall, St Johann in Tirol, Wörgl wurden schnell hinter sich gelassen, in Innsbruck bei Kilometer 160 legten wir die erste kurze Pause ein. Eine Stunde später gings erfrischt weiter, Landeck erreichten wir um 19.00 Uhr, wo nun schön langsam auch das Hochgebirge begann und es zugleich in die erste Nacht ging. Deutschland und Österreich ließen wir hinter uns, weiter führte uns der Weg in die Schweiz, wo der Flüelapass auf 2500 Metern Seehöhe auf mich wartete. Auch diese erste große Hürde meisterten mir optimal und waren um ca. 05.00 Uhr morgens in Chur. Allerdings ließen die ersten 400 Kilometer mit ca. 6 000 Höhenmetern schon Spuren bei mir.
Schulterschmerzen an beiden Seiten plagten mich, was aber ganz natürlich ist nach solchen Anstiegen. In Chur wartete Walter Eberle auf mich, was mich sehr freute. Er gab mir Motivation, fuhr vorne weg und ließ meine Schmerzen erträglicher werden. In Flims angelangt hatte ich mittlerweile solche Schmerzen, dass wir hier einen Arzt aufsuchen mussten. Zu dieser Zeit glaube ich es einen Moment lang nicht zu schaffen. Mir ging soviel durch den Kopf, auch, ob das nun das Ende der 2.Tour wäre? Es durfte nicht sein, es musste einen Weg geben, um das angestrebte Ziel zu erreichen.
Gemeinsam ging es mit Walter weiter auf den Oberalppass, die zweite hohe Passüberquerung der Tour.
Weiter ging es nach Andermatt, wo Christian eine Masseurin mit Wunderhänden ausfindig machte. Monika massierte mich gleich im Wohnmobil an den schmerzhaften Stellen. Mit frischen Kräften nahm ich den Furkapass mit 2500 Metern Seehöhe in Angriff, dem zweiten (dritte) Dach der Tour. Die Abfahrt nach Oberwald wurde im nächtlichen Starkregen zu einem Lotteriespiel.
Die körperlichen Schmerzen wurden nun mehr und mehr, sie strahlten auf den Rücken und auch auf die Oberarme aus. In jeder Pause erholte sich mein Zustand und gab mir so den Mut weiterzufahren.
Nachdem wir die Schweiz hinter uns gelassen hatten und ging es nach Chamonix in Frankreich. Diese Auffahrt war wieder einmal eine Härteprüfung, es dauert ewig bis man die Passüberquerung bei Chamonix erreicht hatte.
Jede Unebenheit an der Straße, jede Tempoveränderung war wie Feuer in meinem Körper. Einzig der Wille es zu schaffen und meine Crew trieb mich voran, um das Ziel zu erreichen.
Kurz vor Grenoble in der dritten Nacht, machten wir eine einstündige Schlafpause um für die letzten 350 Kilometer, die aber immer noch knapp 4 000 Höhenmeter beinhalteten, fit zu sein.
In meinem Geist sah ich nur das Ziel, wollte keine Sekunde mehr verlieren, um so schnell wie möglich aus dem Bike zu kommen. Teilweise fuhr ich an geplanten Stop‘s zur Nahrungsaufnahme vorbei, da mir das Bremsen bzw. die Anfahrt danach zu schmerzhaft war. Unendlich kam mir nun diese Fahrt in Richtung Vergons zum letzten hohen Pass dieser Tour vor. Eine unbändige innere Kraft, sowie der eiserne Wille es zu schaffen, ohne Rücksicht auf mich selbst, trieb mich voran, um auch diese Hürde zu meistern.
Die letzten 100 Kilometer nach Nizza waren noch geprägt von starken Gegenwind, was mir aber nichts mehr anhaben konnte. Fast wie in Trance fuhr ich die Straße in Richtung Nizza, völlig gleichgültig war mir der Verkehr, die Schmerzen und auch die Umgebung. Es war ein Zustand von Leichtsinnigkeit gepaart mit Gleichgültigkeit, was schon sehr gefährlich war.
Mitten in Nizza fragte ich öfters, ob wir nun in Nizza sind. Als er jedesmal Ja sagte, stoppte ich und stellte meinen inneren Motor ab. Als mein Geist merkte, dass das Ziel erreicht war, wurde die Quälerei unerträglich. Es war geschafft, das Ziel den Alpenhauptkamm nonstop mit dem Handbike, sozusagen mit reiner Handkraft zu überqueren, wurde erreicht.
Schon nach 300 Kilometern schien das Projekt zu scheitern, doch mein unbändiger Wille es zu schaffen, trieb mich voran. Den Arzt von Flims möchte ich herzlichst danken, dass er mir diese Cortisonspritzen verweigert hat. Dadurch konnte ich mir und allen anderen zeigen, was alles möglich ist, wenn man an sich glaubt. Genau hier kommt mein Slogan „Alles ist möglich, man muss es nur tun“ zu tragen. Willenskraft, der Glaube an sich selbst und der nötige Einsatz dazu können so viel bewegen. Sie sind die Bausteine eines erfolgreichen zukunftsorientierten Lebens.
Meiner ganzen Crew, meinen Sponsoren, sowie meinem kompletten Trainerstab vom Olympiastützpunkt Rif, möchte ich herzlichst danken. Sie ermöglichen es mir diese scheinbar unmöglichen Ziele zu verwirklichen.
Im Miteinander schafft man Ziele, die alleine unerreichbar sind.
Manfred Putz