LICHT & SCHATTEN – Großglockner und Alpenhauptkamm, 6. Juni 2017:
Am wohl besten Tag des bisherigen Jahres bin ich kurz nach dem Start gnadenlos zwischen Lienz und Kals abgesoffen – megaenttäuscht! Am Nachmittag kehrt mein Lachen dann zurück: auf dem Weg von der Kalser Adlerlounge über Großglockner, Pasterze und den Alpenhauptkamm in den windigen Norden… (mehr Infos zum Flug weiter unten)
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Musik: Sweet Melancholy / Dag Reinbott, http://www.terrasound.de
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LICHT & SCHATTEN
Letzten Donnerstag stand ich – am vielleicht besten Tag des Jahres – kurz vor Lienz schon um 10.30 Uhr am Boden. Zehn Stunden vor Thermikende. Höchststrafe! Und wieder mal gscheit enttäuscht.
Den restlichen Tag (auf Johanna, Didi und Tim wartend) am Boden verbringen war nicht vorstellbar. Ich brauchte Ablenkung… nochmal in die Luft, meine “Schmerzen” ;-) lindern…
Nach kurzem Autostopp und zweieinhalb Stunden marschieren lag die Mittelstation der Kalser Bergbahn direkt am Weg nach oben. Herrenlos :-) und weil ich Fliegen und nicht Gehen wollt, liess ich mich nicht lang betteln, sprang in eine der vorbeifahrenden Gondeln und machte mich beim Rauffahren auch gleich startfertig. An der Adlerlounge angekommen erwartete mich böiger Wind aus Nordwest bis Nordost, das Wolkenbild zeigte auch in der Höhe einiges an Wind. Falls aber der Wind das Kurbeln bis zur Basis zuließe, könnte ich die Westkomponente gut für einen Sprung über den Hauptkamm nutzen. Nicht die schlechteste Option… und es würde mich ein Stück weit nach Hause bringen.
Nach kurzer Startplatzsuche war ich um Dreiviertelzwei endlich wieder in der Luft. Schon allein die Abkühlung tat extrem gut. Mit zunehmender Höhe war die Thermik zwar recht windgestört, aber das Aufdrehen bis zur Basis war möglich. Zudem drehte der Wind in der Höhe auf Südwest. Perfekt!
Mit knapp 4.100 Meter und teils 30 km/h+ Rückenwind war der Weg zum Großglockner denkbar einfach. Ich hätte mich gern länger dort aufgehalten, aber nicht heute. Und so sind die vielen Eindrücke rund um Großglockner, Pasterze und Alpenhauptkamm viel zu schnell an mir vorbeigezogen. Über der Großglockner Hochalpenstraße konnte ich in der Ferne dann auch schon Zell am See, das Steinerne Meer und den Hochkönig erkennen. Das Wolkenbild der Nordseite sprach aber eigene Bände: noch zerissener, noch windiger. Das Ferleitental entlang ging´s weiterhin noch zügig, wenn auch wesentlich turbulenter als auf der Südseite.
Nach der Querung des Pinzgau hatte ich dann wie erwartet mit starkem Nordwestwind und wenig Vorwährtsfahrt zu kämpfen. Dank der labilen Schichtung und vieler kleiner Blasen kam ich, wenn auch langsam, aber voran. Meine Heimat Bad Reichenhall war aufgrund des Winds aber kaum in Reichweite. Nach viel Nervenkitzel am Hundstein und der Schwalbenwind wurd´s an den Wänden des Steinernen Meers dann zunehmend unfliegbar für mich und ich hab kapituliert. Kurz vor fünf landete ich dann in Maria Alm. Mein Bunny Stopper (http://www.shuttle-bunny.net) verhalf mir zum wiederholten Mal zu einer schnellen Heimreise: zwei Stopps, kurzer Smalltalk mit Fliegerspezl Alex an der Tanke in Saalfelden, und um halb Sieben daheim. Mit einem weinenden und einem lächelnden Auge – dafür bin ich zu sehr Flieger und liebe die langen Ausflüge zu sehr, um nicht auch ein bisserl wehmütig auf die verpasste Chance zurückzuschauen.
Wie auch immer: ich hab´ noch einen wilden und wunderschönen Nachmittag geschenkt bekommen. Und wie letztes Jahr über Großglockner, Alpenhauptkamm und zahlreiche andere Schönheiten Richtung Heimat fliegen dürfen. Auch wenn´s zu Beginn so aussah: es war kein verlorener Tag! Auch für andere nicht: Lex, Sebastian, Marcel, Tim, Didi und ganz viele andere haben teils ganz verrückte Flüge hingelegt… Chapeau!
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