Das Geläute von St.Heribert in Kreuzau wird vor allem durch die beiden mittelalterlichen Glocken geprägt.
Wann die erste Kirche in Kreuzau errichtet wurde ist leider unbekannt. Jedenfalls dürfte es sich bei dem ersten Bau um eine romanische einschiffige Kirche gehandelt haben. Das Kirchenschiff wurde im 13.Jahrhundert abgerissen und neu errichtet. Der Chor wurde erst um 1300 angebaut. Die 4 Joche des Mittelschiffs wurden mit einer höher gelegenen Holztonnendecke geschlossen, und nicht, wie es im Mittelalter üblich war, mit einem steinernen Kreuzrippengewölbe. Im 15.Jahrhundert wurde der Kirchturm um eine Etage aufgestockt. Die anderen Stockwerke stammen noch aus spätromanischer Zeit. Bereits am Anfang des 19.Jahrhunderts befand sich das Gebäude in einem schlechten Zustand, welcher sich allerdings im Laufe der Jahre noch verschlimmerte sodass man schon im Jahre 1863 das Gotteshaus schließen wollte. Der damalige Gemeinderat erwägte schon einen Abriss und Neubau der Kirche, welcher in neuromanischen Formen errichtet werden sollte. Die Baukosten wurden damals auf ca. 14.000 bis 16.000 Taler geschätzt. Schließlich zog man ein zweites Gutachten hinzu, in welchem allerdings nur eine dringende Sanierung der Kirche empfohlen wird. Daraufhin setzte man sich mit dem Kölner Architekten Heinrich Wiethase in Verbindung, welcher ein drittes Gutachten sowie ein Sanierungskonzept erstellen sollte. Die Kreuzauer Kirche wurde schließlich von 1869 bis 1872 grundlegend restauriert. Das Hochschiff erhielt anstatt der Holztonnendecke ein Kreuzrippengewölbe. Da die Einwohnerzahl von Kreuzau stark angestiegen war wurde auch gleichzeitig das südliche Seitenschiff abgerissen und in vergrößerter Form zusammen mit der neuen Sakristei errichtet. Das nördliche Seitenschiff stammt noch aus den Jahren 1906 und 1907. Seitdem befindet sich dort ein Glasgemälde der Muttergottes mit dem Jesuskind aus dem Jahre 1306. Es ist das einzige noch erhaltene Fenster aus einem von Graf Gerhard VI. von Jülich gestifteten Fensterzyklus.
Die älteste, noch erhaltene Glocke im Turm von St.Heribert ist die im Jahre 1362 gegossene Heribertusglocke. Gegossen wurde sie von einem Gießer namens Conrad de Isbrochgen. Ob es sich bei diesem "Isbrochgen" um das heutige Isenbruch im Selfkant handelt kann nicht eindeutig geklärt werden. Jedenfalls ist es die wohl einzige, erhaltene Glocke dieses Gießers. 1382 folgte die Totenglocke, welche eigentlich dem hl. Heribert und der hl. Katharina geweiht ist. Ihr Gießer ist unbekannt, jedoch dürfte sie aus der selben Werkstatt wie die Heribertusglocke stammen. Im Jahre 1807 wurde eine gesprungene Glocke von Peter Boitel und Claude Renaud umgegossen. Es war großes Glück, dass sie im 1.Weltkrieg nicht eingeschmolzen wurde. Jedoch wurde die Marienglocke am 9.Juli 1940 im Turm zersägt, bzw. zerschlagen, und in Bruchstücken zum Glockensammellager in Düren gebracht. Nach dem 2.Weltkrieg wurde das mittelalterliche Duett um 2 weitere Glocken erweitert. 1956 wurde der Guss von Wolfgang Hausen-Mabilon ausgeführt. Die beiden neuen Glocken zeichnen sich, trotz ihrer leichten Rippe, durch eine hohe Klangfülle und durch ihre besondere, womöglich im Rheinland einzigartige Zier aus! Nebenbei sei noch erwähnt, dass sich in St.Heribert die einzige mittelalterliche Durglocke des Bistums Aachen befindet (um welche Glocke es sich dabei handelt dürfte ja wohl unschwer zu "erhören" sein...).
Pius-X- und Maria-Goretti-Glocke, Schlagton es'+/-0, Gewicht ca. 1.220 kg, Durchmesser 1270 mm, gegossen im Jahre 1956 von der Fa. Mabilon & Co. in Saarburg.
Heribertusglocke, Schlagton ges'+4, Gewicht ca. 700 kg, Durchmesser 1064 mm, gegossen im Jahre 1362 von Conrad de Isbrochgen.
Heilig-Kreuz- und Willibrordusglocke, Schlagton as'+/-0, Gewicht ca. 480 kg, Durchmesser 950 mm, gegossen im Jahre 1956 von der Fa. Mabilon & Co. in Saarburg.
Totenglocke, Schlagton b'-3, Gewicht ca. 550 kg, Durchmesser 955 mm, gegossen im Jahre 1382 von einem unbek. Gießer.
Ein herzliches Dankeschön geht an die Vertretungsküsterin für das Öffnen des Turmes und das Sondervollgeläute!